Memoiren eines Lichtträgers / Pfui Spinne

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Bei den folgenden Texten handelt es sich um das Tagebuch des Runners Silencio, aus dem später die Aufzeichnungen des Teams Bulletproof wurden, welches schließlich den Orden der Lichtträger neu gründete.
Jedes initiierte Mitglied der Lichtträger erhält ein Exemplar dieser Aufzeichnungen unter der Auflage es nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, dennoch erschienen Ende 2075 erste Teile der Aufzeichnungen in verschiedenen Data Havens. Ob es sich um Verrat oder eine Art von Rekrutierungsflyer der Lichtträger handelt ist bislang unbekannt.
Der aktuelle Stand der Veröffentlichung hier, entspricht dem Stand der Veröffentlichung ingame vom 15.10.2076.

Bisher erschienene Kapitel:

Achtung Spoiler! SPOILERWARNUNG! Achtung Spoiler!
Dieser Text kann Informationen enthalten durch die der "Genuss" folgender Romane und Abenteuer eingeschränkt wird:

Romane:

Abenteuer:

MEL28: Pfui Spinne Part 1 / Akquise[Bearbeiten]

Timecode 02-12-2054-21:00:00[Bearbeiten]

Inzwischen war Adventszeit, und Downtown sah aus wie ein riesiger Weihnachtsbaum. Nicht daß das irgendwas an meiner Laune geändert hätte, denn was auch immer man vom Westküstenklima erwartet – manche Tage scheinen einen verarschen zu wollen. Wetter, Verkehrslage, Befindlichkeiten der Mitglieder der verschiedenen Sicherheitsfirmen … immer exakt das Gegenteil dessen, was man ertragen kann. Da hilft es eigentlich nur, sich zu verkriechen, ein wenig Mercurial (wenn man eine Muschi ist) oder Slasher Dots (wenn man Trollrock mag, so wie ich) durch die eigenen Gehörgänge zu jagen und ansonsten die Verrückten draußen verrückt sein zu lassen. Dass das aber nur ein Vorgeschmack auf die Dinge war, die auf uns zurollten, hätte mir eigentlich klar sein können. Denn einen Lottogewinn bekommen nur Schlipsträger auf dem Silbertablett serviert.

Abends rief Leonora an und flüsterte viel zu leise aber viel zu schnell in meinen Komhörer, daß sie uns alle DRINGEND im „Nosferatu“ treffen müsste. Ja, es klang dringend, also schnappte ich mir meinen unauffälligen Seelenverkäufer, einen notdürftig auf E-Antrieb umgerüsteten Chrysler, und zuckelte in unseren Lieblingsclub. Der war bereits kurz vor 23:00 laut wie immer, bevölkert wie immer und diskret wie immer, wenn es um vertrauliche Gespräche ging. Auf mein Klingeln öffnete Rico, seines Amtes großer und kräftiger Türsteher, den einem altertümlichen Kirchentor nachempfundenen Eingang. Nomen muss ja schließlich auch Omen sein, und wer einem Club diesen Namen gibt, der sollte ein wenig auf das passende Ambiente achten. Natürlich war jeder vermeintliche Dekoartikel in irgendeiner Weise an das Sicherheitssystem des „Nosferatu“ angeschlossen, und auch das so alt und wacklig aussehende Tor wurde ganz klar nicht zufällig von einem wirklich großen und kräftigen Türsteher bedient. Dessen etwas veraltete Kunstmuskeln verursachten übrigens laut Leonoras Aussage ob der Anstrengung beim Bewegen des Panzertores jedesmal leise klagende, zischende Geräusche. In dieser Hinsicht glaubte ich ihr jedes Wort, denn ihre mit haufenweise Ki aufgepeppten Sinne konnten selbst gegen den aufbrandenden Hintergrundlärm, der beim Öffnen der Tür mit ins Freie drang, ziemlich feine Unterschiede hören.
Rico (hatte ich bereits erwähnt, dass er groß und kräftig war?) sah also betont geradeaus, dann nach links und nach rechts und brüllte dann: „KOMISCH, ICH DACHTE, HIER HÄTTE JEMAND GEKLINGELT! ABER HIER IS JA GAR KEINER!“ Den Witz hätte er sich sparen können, denn selbst wenn Flip der Grashüpfer hier gesessen hätte, hätten es die Türscanner früher als Flip selbst mitbekommen. Ich tat also, was ich gerne in solchen Situationen tat: mit dem linken Stiefel ausholen und dann mit Schmackes gegen sein rechtes Schienbein treten. Leider war Rico nur halb so dumm wie er aussah… na ja: ein Drittel. Denn seine Tarnung als dümmlicher Türbeweger war fast perfekt. Zumindest aber so gut, dass ich erst in dem Moment, als ich den metallischen Klang hörte und das plötzliche Taubheitsgefühl im linken Unterschenkel registrierte, auf den Gedanken kam, dass er meine Reaktion offenbar vorausgeahnt hatte. In diesem Fall war wohl eine zusätzliche Panzerplatte in seinem Stiefelschaft der Grund dafür, dass mir eine kostenlose Runde „Durch den Club humpeln und ausgelacht werden“ spendiert wurde.
Ich unterdrückte einen Aufschrei und versuchte vorsichtig, mein linkes Bein in normale Standposition zu bekommen. Rico blickte auf mich herab, brüllte „ACH, DA IS JA DOCH EINER!!! DESWEGEN RIECHTS HIER SO NACH WURZEL!!!!!“ und grinste breit übers grobschlächtige Gesicht. Dann bückte er sich und flüsterte wesentlich kontrollierter, als man es ihm abnehmen würde, wenn man ihn nicht kennt: „Hey, sorry, Chummer, aber ich wollte unbedingt wissen, ob die Schienen halten, was mir der Schieber versprochen hat. Und du warst ohne Scheiß der Erste, dem ich zugetraut hab, dass er nicht aus falscher Rücksichtnahme lieb zu mir ist. Aber jetzt sei ein Ma… äh, ein Zwerg und humpel nach Verlies 3. Leon und die anderen sind schon da.“ Er klopfte mir noch auf die Schulter und schob mich in den Club. Virginia, die Garderobeuse, schielte über ihren Tresen und hob fragend eine Augenbraue. Ich schüttelte den Kopf, womit unsere übliche Konversation („Willst du mir diesmal deinen Mantel geben, Monsieur?“ – „Nein, lieber nicht. Hat mir mein Arzt verboten. Ich hab doch Blei-Allergie, Schatz.“) für heute auch abgehandelt war.

Als ich den Besprechungsraum betrat, wurde ich bereits ungeduldig erwartet. Dust saß wie immer bewegungslos und unbeteiligt auf einem Stuhl, der verzweifelt versuchte, trotz der auf ihm lastenden Menge an Hardware keine Strukturschwäche zu zeigen. Bei ihr äußerte sich die Ungeduld in dem einen Blick, den sie mir zuwarf, und der zeigte, daß sie bereits genervt war. Ator hatte sich offenbar eine Haut mit eingebauten Tranqpatches umgewickelt. Man würde ihn wohl erst anstupsen müssen, damit er an der Besprechung teilnehmen könnte. Neben ihm saß John Doe, der Ork und Security-Spezialist des Teams. Mit ihm schien ohnehin seit einiger Zeit irgendetwas nicht zu stimmen. Im Gegensatz zu sonst sehr wortkarg, sehr lese-und recherchewütig und abweisender als eine Ölplane. Er studierte irgendetwas auf dem Display seines neuen MicroDecks. Er blickte nicht einmal auf, als ich hereinkam, langte aber dann wortlos neben sich und stupste den Krokomanten an.

Was die drei anderen an Bewegungen und Sauerstoffumsatz einsparten, wurde allerdings mühelos durch Leonora wieder vernichtet, die wild gestikulierend im Raum herumrannte und ihre wahnsinnig anmutenden Zukunftspläne teilweise auf Turbo-Italienisch auf die Anwesenden eindreschen ließ. Auch sie zeigte keinerlei Verhaltensänderung, die darauf schließen ließ, dass sie mein Eintreten bemerkt hätte. Sie quirlte weiterhin Luft und turbowasserfallte von einem Gleitdrachen mit E-Motor, der sie überall hinbringen könnte und der wirklich nützlich wäre und und und. Ich erinnerte mich schwach, dass so ein Gerät um die 200 Kilo wiegen müßte und dass ihre eher schmächtige Gestalt da ganz klar ein Kräfteveto einlegen würde, sollte sie es ernsthaft versuchen, damit irgendwo aufzutrumpfen. Sie war für eine Norm allenfalls durchschnittlich groß und nicht wirklich breit gebaut. Aber wer sich als Meuchelmörder in den Diensten der Camorra nur wie ein laufendes und sprechendes Scharfschützengewehr benehmen muss, braucht auch keine Troll-Unterhosen. Wer den Gleiter spazierentragen will, schon.

Ich fand es allerdings wirklich nicht nett, dass ich so ignoriert wurde. Okay, als Zwerg mit 1,12m muß man sich schon ab und zu damit abfinden, auf einem Trollrock-Konzert zu besonderen Tricks greifen zu müssen, um überhaupt etwas anderes zu Gesicht zu bekommen als Oberschenkelrückseiten. Von der Geruchsbelästigung durch – nach Troll-Maßstäben – bodennahe Furzschwaden will ich gar nicht erst anfangen. Aber das war jetzt nicht Thema. Um also klarzumachen, dass ich die Bühne des Abends betrat, kickte ich die Tür etwas heftiger hinter mir ins Schloß als nötig, worauf den Anwesenden nicht nur die von der guten Türdichtung erzeugte Druckwelle auf die Ohren schlug, sondern auch der nervende Warnton, den die in den Besprechungstisch integrierte Überwachungsautomatik lieferte.

„Ah, du bist auch da… Mamma mia, das müßt ihr euch anhören,…“ wechselte Leonora fast übergangslos das Thema. John hob seine Augen vom Display, und auch Ator schien aufgewacht zu sein, denn er winkte mir mit zwei Fingern und andeutungsweise lächelnd zu.

„Ich war heute bei … einer Connection. Ich wollte etwas besorgen“, ereiferte sich die Italienerin weiter. Hm … ich ging aus irgendeinem nicht wirklich schlüssigen Grund davon aus, dass die DRINGENDE Besprechung hiermit eröffnet war. „Und ihr glaubt es nicht, ich kam zu spät. Wozu? Naja, … der Mensch verkauft wichtige Dinge … Waffen, Munition … sowas eben. Das Salz in der Suppe. Das lagert man nicht im Kleiderschrank. Er hat da eine Lagerhalle. Aber als ich da ankam, waren alle seine Jungs tot. Da laufen sonst immer drei, vier Leute Patrouille… aber niente… c’erano solo cadaveri dappertutto. Könnt ihr euch das imaginieren?“ John unterbrach sie gewohnt präzise: „Hä?“
„Ah, scusi, ich meinte, ich meinte, alle waren tot“, stotterte Leon. “Überall lagen nur die Leichen der Dudes rum, die sonst immer dafür sorgen, dass niemand zu Schaden kommt. Da wurde ich natürlich vorsichtig und schlich mich näher. Als ich schon fast da war, hörte ich die Stimmen von drei Leuten, davon war einer ein Troll. Ich versteckte mich hinter einem Kistenstapel, und dann sah ich aus dem Büro meines Schiebers die Jungs rauskommen. Ein ziemlich großer Troll und zwei Menschen. Alle in so rot-blaue Klamotten gepackt und Glatze. Und, ach ja, … am Hinterkopf ein Tattoo in Form einer Spinne. Als sie weg waren, schlich ich mich in das Büro, in dem ich mich mit Fr… meiner Connection hätte treffen sollen. Er war auch da – größtenteils. Die Schweine hatten ihm einen Arm abgehackt, und den haben sie wohl auch mitgenommen. Er war bewußtlos und lag in seinem Blut.

Und dann war da noch der Koffer. Stand in der Ecke. Ein normaler Metallkoffer mit einem Aufkleber drauf: ‚Leonora‘. Der war ganz offensichtlich für mich. Also hab ich ihn aufgemacht. Es war Geld drin und dieser Zettel…“ sie wedelte mit einem Stückchen Papier und las dann davon ab, „mit der Aufschrift ‚SHP4D701000412‘. Was auch immer das heißen mag. Ich denke, ich werd mal einen meiner findigen Köpfe drauf ansetzen. Das ist eine Botschaft für mich … für uns … egal. Aber das müssen wir irgendwie hinbekommen. In diesem speziellen Fall also würde ich gern eure Arbeitskraft in Anspruch nehmen und quasi gruppenintern den Auftrag vergeben, herauszufinden, wer diese Spinner …“ sie unterbrach sich, eine grimmige Miene ziehend, „haha, ein Wortwitz – ich lach mich schief… also wer diese Wichser sind und was zur heiligen Maria die dazu animiert hat, meinen Lieblingsschieber zu entarmen. Ich nehme das persönlich und werde denen mal ein wenig den Marsch blasen. Aber dazu muß ich wissen, wohin ich zielen muß. Ich hab auch Geld für euch… keine Sorge. Im Koffer waren fünf Credsticks per 20k¥. Da das Geld ohnehin für uns bestimmt war, reich ich es jetzt so an euch weiter. Also: 20.000 für jeden, der mitmacht. Wer ist dabei?“

Dust und John Doe machten kleine, zustimmende Handbewegungen, Ator grinste sein Kroko-Lächeln – wie immer, wenn es danach aussah, als würde er viel Geld für wenig Tat einsacken können. Ich nickte, um klarzustellen, dass ich mich ebenfalls an der Arbeit beteiligen würde. „Okay – heute gibt’s also mal dein Spiel. Aber wir machen uns dann schon mal auf’n Weg. Was dagegen?“ knurrte ich. Ihre hektische Art hatte schon so manches Mal für schwierige Situationen gesorgt, und ich wollte nicht zu lange hierbleiben, um noch Zeuge der durch ihr Verhalten zu erwartenden Verkomplizierungen der allgemeinen Situation zu werden.

„Wartet mal, Leute,“ meldete sich John noch einmal zu Wort. Er beendete die Tipperei auf seinem Gerät und drehte uns dann das Display zu. „Leonora, sind das eventuell die hier?“ Auf dem kleinen Bildschirm sahen wir ein Video einer Überwachungskamera, das ein ziemlich unangenehmes Szenario zeigte. In einem Raum, der stark nach einer provisorischen Kantine aussah, drängten sich vielerlei Gestalten, meistens Squatter oder solche auf dem Weg dahin, um eine Theke, hinter der eine Frau offenbar warme Suppe oder ähnliches verteilte. Plötzlich flogen Stühle und andere Teile, möglicherweise von Türen, durch die Gegend, und drei Personen betraten den Raum. Ein Troll und zwei Menschen. Sie begannen ohne Umschweife damit, ein Blutbad anzurichten, indem sie scheinbar wahllos mit ihren diversen Nahkampfwaffen auf die versammelten Menschen einhackten, -stachen, -hauten oder ähnliches. Der Troll war hierbei der Hauptverursacher der Verstümmelungen, da seine Streitaxt auf Trollgröße ausgelegt war und daher den größten Anteil an abgetrennten Körperteilen verursachte. Die Bediensteten der Suppenküche hatten Deckung hinter allem möglichen gesucht, und wie durch ein Wunder blieben in diesem Chaos alle Samariter unverletzt. Allerdings wurde sehr schnell klar, dass die Abteilung „Wunder“ hier nicht eingegriffen hatte, denn die drei Angreifer schnappten sich die Suppenköche und –verteiler, banden sie aneinander und schleppten sie aus dem Bereich der Kamera. Zurück blieben Tote, Sterbende und Verwundete, um die sich niemals jemand kümmern würde, weil niemanden interessiert, was aus den Menschen und Metamenschen am Rand der Gesellschaft wird.

Auf der Aufnahme waren die Spinnentattoos auf den kahlrasierten glänzenden Köpfen der Verursacher des Massakers immer wieder deutlich zu sehen gewesen, und jedesmal, wenn einer der Angreifer besonders deutlich zu erkennen war, nickte Leonora und flüsterte „Ja, das sind sie …ja. Was tun die da?? Diese Schweine!“ In hilfloser Wut hieb sie mit der Faust auf den Tisch, so daß das MicroDeck hüpfte.
„Interessant, nicht?“, nickte John, während er das Gerät wieder geraderückte. „Es gibt mehrere dieser Videos. Diese Aufnahmen sind ziemlich genau zwanzig Monate alt“, er stockte kurz, als sei ihm etwas eingefallen, schien sich dann aber wieder zu konzentrieren, „…und zeigen immer dasselbe Schema: dieselben drei Heinis entern eine Suppenküche der Universellen Bruderschaft, und auch wirklich ausschließlich eine der UB, stellen den Geeken-Zähler auf ‚hoch‘ und entführen danach die immer unverletzt gebliebene Mannschaft. Erstaunlicherweise sind diese Handvoll Videos erst seit einigen Tagen überall im ShadowNet verfügbar, nachdem sie ein ganzes Jahr lang und noch ein dreiviertel dazu unter dem Deckel gehalten wurden. Mir kam deine Schilderung doch gleich komisch vor. Ich bin da auch vorgestern drauf gestoßen, als ich etwas anderes gesucht hab, aber das Muster hier ist sehr starr. Immer dieselben Täter. Immer die gleichen Opfer. Immer dasselbe Vorgehen. Und dann das plötzliche massierte Auftreten eigentlich längst veralteter Videos. Die hier sind fast zwei Jahre alt. Das wäre normalerweise ein Revenge-Leak, wenn wir das mal beim Namen nennen, aber hier gehts ja um die UB. Wir wissen ja nun, was wir von denen zu halten haben … aber aus welchem Grund sollte jemand versuchen, Insektengeister oder deren Anwärter zu sammeln?“ Nach einer kurzen Pause murmelte er „Als ob das alles nicht schon beschissen genug laufen würde…“

Ich mischte mich wieder ein. „Leute, wir haben allesamt unsere Informationsquellen. Manche muss man mit Nuyen ölen, manche nicht. Aber ich kann kaum glauben, daß man überhaupt nichts über diese Freaks herausbekommen kann. Wer so auffällig ist, fällt auf,“ – an dieser Stelle warf mir Dust einen Blick zu, der mir verdächtig danach aussah, als würde sie gerade nach dem Namen einer Tierart suchen, die es in Puncto Blödheit mit mir aufnehmen könnte, und müsste gerade im Kapitel ‚Einzeller‘ blättern – „und man erinnert sich an ihn. Ich denke, ich mach mich erstmal aufn Weg und klapper meine Ressourcen ab. Ihr könntet ja ähnliches tun. Es ist gerade mal Mitternacht, also ist die Chance, dass ihr alle erreicht, nicht schlecht.“

So packte ich also meinen Mantel und drängte mich aus der Tür des Besprechungsraumes, um in die laute und hektische Clubatmosphäre einzutauchen, an deren anderem Ende ich den Ausgang und mein verrostetes Vehikel wusste. Ich war gerade erst einige Meter weit gekommen, als ich bermerkte, daß Dust und John zu mir aufgeschlossen hatten und mich flankierten. „Oh, … na, Mädels, ihr habts auch eilig, was?“, grinste ich sie an.
Dust war sichtlich genervt. „Zum Geier“, zischte sie. „Wenn die mal den Löffel abgibt, muss man noch ’nen Gurt 5,56 verballern, damit die Fresse dann auch endlich ruhig ist. Wie haltet ihr das nur aus?“
John hingegen reagierte gar nicht. Er wollte offenbar nur zurück in die Behausung, die ich mir mit ihm teilte und strebte noch schneller als wir beide dem Ausgang entgegen. „Ich… ich weiß es auch nicht so genau“, quetschte er halbherzig hervor.
Ich zögerte ein wenig und begann, in meinem Gehirn zu kramen, um ein möglichst öffentlichkeitswirksames Statement zusammenzupuzzlen, scheiterte aber grandios. Und wenn man nichts zu sagen hat, sollte man doch besser schweigen. Oder so. Hat mal ein alter Grieche gesagt. Oder so.

Als wir beim Verlassen des Clubs noch an Rico vorbeiliefen, schmiß er sich breit grinsend übertrieben genau in militärische Pose und salutierte. Dabei brüllte er in ebenfalls übertrieben zackigem Tonfall „WÜNSCHE EINEN WEITERHIN ANGENEHMEN ABEND, MA’AM! UND GUTE ERHOLUNG, SIR!!“
„Hö?“ Dust sah mich von der Seite an. „Was hat’n der?“
„Frag nich“, knurrte ich. „Irgendwann verklopp ich ihn, wenn er morgens allein nach hause geht.“

MeL 29: Pfui Spinne Part 2 / Verlust[Bearbeiten]

Timecode 03.12.2054 / 03:15:00[Bearbeiten]

Nachdem wir uns im „Nosferatu“ darauf verständigt hatten, unsere Connections abzuklappern, waren wir alle einigermaßen beschäftigt gewesen. Um Mißverständnisse und Timingprobleme zu vermeiden, hatte ich mich mit Dust verabredet, um Ergebnisse face2face auszutauschen, bevor wir weiteres dummes Zeug planten, und hatte ihr meinen Drittschlüssel rübergeworfen. Okay, JD war in letzter Zeit wirklich etwas sehr wortkarg gewesen, wenn man seinen sonst sehr locker vorgetragenen trockenen Humor kannte, aber mir war die ganze Zeit nicht klar gewesen, dass bei ihm wirklich etwas nicht in Ordnung gewesen sein konnte. Es wäre jedenfalls eine deutliche Überraschung für mich gewesen, hätte mir jetzt jemand versichert, dass es zu Renrakus Standardvorgehen gehört, bei auftauchenden Schwierigkeiten bei Recherchevorgängen den Mitarbeitern Harakiri zu verordnen oder zumindest einen Marktbesuch mit Sprengstoffgürtel anzuregen. Ich jedenfalls für meinen Teil gehe normalerweise nicht davon aus, im Zuge relativ harmloser Nachfragereien bei Straßenconnections hingerichtet zu werden. Die mir dann von Dust gereichte Folie, die ich immer noch staunend in der Hand hielt, war ein gutes Indiz dafür, dass ich nicht weit genug gedacht hatte. Ich las den Text ein drittes Mal. Aber immer noch konnte ich nur dieselben sinnlos erscheinenden Buchstaben sehen:

Shadowtalk Pfeil.png Hi,
sollte ich nicht bis spätestens 1400, 0312 wieder im Quartier sein, dann öffnet bitte gemeinsam den Koffer und tut das, was sich aus Durchsicht der darin enthaltenen Daten und Gegenstände von selbst ergibt. Ich bedaure die Notwendigkeit dieses Schrittes, aber es ist schon viel zu viel Zeit vergangen, in der viel zu wenig getan wurde und werden konnte, als dass ich es jetzt darauf ankommen lassen könnte, noch eine Sekunde zu zögern. Euch werden diese insgesamt 13 Stunden wenig kratzen, und ich hoffe aufrichtig, es euch selbst erklären zu können. Falls das nicht möglich ist, muss ich euch leider einen Peter zuschieben, dessen Schwärze ich momentan selbst nicht abschätzen kann.
ごめんね。
Shadowtalk Pfeil.png JD

Der erwähnte Koffer war ein normaler Koffer, groß genug, um die Habseligkeiten eines an schnelle Ortswechsel gewohnten Runners aufzunehmen. Ich konnte mir noch nicht ausmalen, wie lange er diesen Schritt bereits geplant hatte. Ich schielte auf mein Zeiteisen, das mir grünlichfahl „03:15“ anzeigte und griff nach meinem Kom, um die anderen beiden zu informieren. Zuerst versuchte ich es bei Leonora, die immer sofort eine Idee hatte, wenn es brannte. Leider bekam ich nur ihre kann-jetzt-nicht-Ansage ins Ohr, so daß ich schließlich mein Glück bei Ator versuchte. Der meldete sich prompt, aber als ich ihm den Zettel vorlas, hörte ich eine Weile nur Schweigen. „Drek“, antwortete er endlich. „Alles klar. Kommt zu mir in die Gaskammer. Ich versuche inzwischen, leon zu erreichen, dann habt ihr das nicht auch noch am Hals.“
Wir griffen Koffer, Nachricht und „leichtes Besteck“ und stürzten uns in die Nacht.

„Und was heißt das da eigentlich?“, fragte leon in die Runde, während sie auf die japanischen Zeichen tippte, die John Doe auf die Folie geschrieben hatte. Sie hatte mich wieder damit erstaunt, nur drei Minuten nach uns in der Gaskammer eingetroffen zu sein. Wie auch immer Ator sie hatte kontaktieren können, es hatte super funktioniert. Aber ich kümmerte mich jetzt nicht weiter darum. Die von ihr angestupste Notiz wippte heftig in meiner Hand. „Oh, ach ja“, murmelte ich. „Das ist nur eine übliche Formulierung des Bedauerns … so ein übliches ‚tut mir leid‘, etwa. Nichts von Signifikanz.“ Ich erhob etwas die Stimme. „Viel schwieriger find ich den Satz, daß er uns möglicherweise etwas zumuten will/muß, von dem er nicht weiß, wie heftig es ist. Das macht mir echt Sorgen. Normalerweise weiß er sehr gut, was er tut. Wir müssen jetzt reagieren. Wenn wir aber nun schon einmal beisammen sind: was habt ihr herausgefunden?“

leon legte den ominösen Code aus dem Koffer, den sie bei ihrem Schieber mitgenommen hatte, ebenfalls auf den Tisch.

SHP4D701000412

„Zuallererst“, begann leon, „dachte ich an eine verschlüsselte Codesequenz, aber dann fielen mir die letzten vier Ziffern auf: 0412“. Ich schaute auf Johns Notiz.

sollte ich nicht bis spätestens 1400, 0312 wieder im Quartier sein

„Stimmt“, entfuhr es mir. „Ein Datum.“

„Genau“, nickte leon. Und „0100“ ist dann möglicherweise eine Uhrzeit. Ich hab meine Connections aus dem Computersektor befragt, und die sagten zuerst was von einer Schließfachanlage, aber dann fanden sie ein Muster, das mit SH und PxDx korreliert: ‚South Harbor – Pier 4, Dock 7′. Wir haben eine Adresse. Leider keinen Plan, was da passiert. Aber das kann man doch mit einer schönen Hafenrundfahrt ändern, oder?“ Sie sprang auf, und ich mußte eingreifen, um vorschnelle Aktionen zu unterbinden.

„Nich‘ so hastig“, bellte ich. „Wir sind noch nicht fertig. Ich war ja auch unterwegs, und ich hab noch was zu den Spidermen. Die Heinzis, die wir in den Videos gesehen haben, waren vorher bei irgendwelchen Gangs oder sonstigen seriösen Vereinen Schuldnerberater oder ähnliches, was bedeutet, daß man sich ‚gern‘ und oft an sie erinnert.“
Warum mir plötzlich ein Situationsflash im Gehirn explodierte, weiß ich selber nicht, aber plötzlich sah ich im Geiste diese Ansprache:
„Guten Tag. Ich bin Ihr Schuldenberater,“ grollte der gepiercte, tätowierte und schwerbewaffnete Ork. „Sie haben Schulden, und ich rate Ihnen, diese am besten gestern zu bezahlen, da ansonsten ihre kleine Hackfresse mit meiner Axt kuschelt. Noch Fragen?“

Ich schüttelte kurz den Kopf und fuhr fort: „Insbesondere ist oder war der Troll ein unter dem Namen ‚Butcher‘ bekannter Eintreiber bei den Yaks – und es ist mir ein Rätsel, wie der da aussteigen konnte.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Jedenfalls hat mir jemand geflüstert, die ‚Spidermen‘ hießen nicht umsonst so. Und damit übergebe ich an Ator, den Experten für alles, was man dereinst „übernatürlich“ nannte.“

Der Angesprochene erwachte aus seiner Starre, in der er sich seit Beginn des Meetings zu befinden schien. Er räusperte sich kurz und stieß dann die ihm bekannten Fakten hervor:
„Also … a) die Spidermen sind offenbar von einem Schamanen gegründet worden, der Spinne folgt. Man kann bereits daraus eine Menge ableiten. Zum Beispiel den Umstand, dass sie ein zentrales Hauptquartier haben, mit dem sie ungern umziehen. Oder den, dass wichtige Sachen wie Nahrung gern gehortet werden. Das grenzt die Möglichkeiten des Hauptaufenthaltsortes schon etwas ein.
b) ich hab mir eine Weile lang den Kopf zerbrochen, wieso bei den Überfällen unterm Strich immer nur die wie durch ein Wunder unverletzt gebliebenen Angestellten geraubt werden – insbesondere, wenn man dann bedenkt, daß es unter den Besuchern dieser Einrichtungen horrend viele Opfer gibt. Es trifft fast nur Squatter, also Leute, die generell nicht besonders gesund sind. Jetzt wissen wir, dass die UB ja von den Insekten unterwandert, wenn nicht gar gegründet wurde. Und was brauchen die? Gesunde, unvercyberte Körper. Sozusagen kontrollierter biologischer Anbau. Überflüssig zu erwähnen, dass Leute, die für die UB arbeiten, genau auf dieses Schema passen.
Bliebe noch zu klären, was die Jungs heute so alles veranstalten, denn wie bereits mehrmals erwähnt, sind die Videos alt. Nichtsdestoweniger haben sie alle, d.h. Schamane, Einkaufskolonne und möglicherweise Brutpflegeabteilung auch heute noch Hunger. Sie scheinen also inzwischen eine effizientere Form der Nahrungsbeschaffung entwickelt zu haben, oder zumindest eine, die noch nicht aufgeflogen ist.“ Nach einer kurzen Kunstpause fuhr er fort: „Na ja, sie scheinen zumindest ihre alte Form als Gangschläger nicht ganz vergessen zu haben, wenn man an leons Schieber denkt. Den wollten sie zumindest nicht als Futter mitnehmen. Der scheint ihnen eher aus anderen Gründen vor die Klinge gehüpft zu sein. Welch Gründe ihre Taten lenkten… tja, da muss ich passen.“ Er hob entschuldigend seine Schultern.

Dust kicherte. „Schon gut, Mann. Hellsehen ist immer noch keine Einstellungsvoraussetzung fürs Krokodilhaus.“ Autsch. Dusty, Dusty, das war ein Fettnäpfchen. Ich konnte sehen, daß Ators Gesicht einen leicht grünlichen Ton annahm, und da wir echt gerade wirklich wichtigeres als einen kleinen Zank vor uns hatten, fühlte ich mich genötigt, jetzt zu intervenieren. Bevor der Schamane zu einer scharfen Erwiderung ansetzen konnte, ergriff ich das Wort:

„Miss Rocks, … Sie als langjährige Aztech-Mitarbeiterin sollten doch wissen, dass…“
Dust unterbrach mich erwartet empört: „Hallo? Mein früherer Arbeitgeber heißt ARES MACROTECH, bitteschön!“ Ich bleckte die Zähne.
„Siehste. Genauso geht es einem Alligatorschamanen, wenn man ihn als Krokodil bezeichnet. Das dürfen nur manche Leute – und das auch nur manchmal. Soll heißen: unser Telefonat von vorhin war eins zwischen dir und mir und geht Mr. Gilla nix an. ¿Comprendes?“ Dabei grinste ich Ator derart unverschämt an, daß selbst ein betrunkener Vollidiot verstanden hätte, dass ich in dieser Hinsicht auch mit mir selbst gern mal weniger streng war. Aber ich kannte Ator auch schon ein paar Tage länger und wusste, wie weit ich gehen konnte, ohne ihn wirklich zu verärgern.

„Okay, okay, sorry. War nicht so gemeint“, begann Dust ihre Entschuldigung, aber Ator winkte ab. Für ihn war die Nachricht angekommen. Auf meinen Wink sprach er weiter.

„Was mir nur überhaupt nicht in den Brägen will, ist, warum JD ausgerechnet jetzt auf Solotour geht. Habt ihr bei der letzten Besprechung gemerkt, daß er ständig am Tablet hing? Mir kam es so vor, als hätte er schon vorher mal was von dieser Gang gehört und wollte sich nur versichern, dass die Freaks aus leons Erzählung wirklich die sind, die er schon mal auf’m Schirm hatte… oder immer noch hat.“

Ich nickte unwillkürlich und stellte mit Erschrecken fest, dass die anderen beiden, also leon und Dust, dieselbe Bewegung machten.

Ator holte tief Luft. „Das bedeuteeeeet, …“ er zog das „e“ in die Länge, um uns alle der Reihe nach anzusehen, „dass wir dann jetzt vielleicht einfach mal den Koffer aufmachen könnten, um herauszufinden, was unseren schweigsamen Kollegen denn so bedrückt. Oder wollen wir nur spekulieren, bis es zu spät ist? Ich möchte jedenfalls nicht bis 14 Uhr warten, um dann im Nachhinein herauszufinden, dass wir ihn, wenn wir eine Stunde weniger lange gewartet hätten, noch aus der Kacke hätten ziehen können.“ Sprach’s und drehte den Koffer so herum, dass die Verschlüsse in meine Richtung zeigten.
Oh. Kofferöffnen. Mein Lieblingsspiel.

Den Hauptteil des im Koffer zur Verfügung stehenden Platzes nahm Johns Ausrüstung ein, von der wir schon verschiedene Komponenten in Benutzung gesehen hatten. Ein Wanzenscanner, ein White-Noise-Generator, ein Magschloßknacker, eine kleine Flachtasche mit Spezial-Elektronikwerkzeug, zwei Datenchips, ein Datasniffer mit Glasfaser-Injektoren – der übliche Krempel eines Security- und Technofritzen. Acht Credsticks. Ein Voice-Recorder, eine Puderqaste mit drei verschiedenen Pulversorten. Obenauf ein Brief. Dust schaltete zuerst. „Verdammt“, sagte sie langsam, „das war’s dann wohl finalerweise.“

leon äugte ins Gewirr der Gegenstände, konnte aber nichts gefährliches finden. Ator war versucht, den Koffer astral zu untersuchen, stutzte dann aber wegen des Briefes und nahm ihn mit spitzen Fingern auf. „Deswegen?“ Er schien sich zu fragen, ob sie jetzt hellsehen konnte und schon wusste, was dort geschrieben war.

Ich hatte beim Öffnen des Koffers schon wieder so eine Flash-Eingebung gehabt, die mit einem Sprengsatz zu tun hatte, der uns alle in feuchten Bröckchen an die Wand spratzen würde, und war ob des Ausbleibens der Detonation ein wenig unachtsam gewesen. Daher hatte nicht ich den ersten Blick in den Koffer geworfen. Um das nachzuholen, stellte ich mich auf Zehenspitzen, um den gesamten Kofferinhalt überblicken zu können. Nach einer Sekunde war mir klar, was Miss Rocks gesehen – oder besser: vermisst – hatte. Ich würgte mit matter Stimme ein Wort heraus: „Fuck.“

Leon trat einen Schritt zurück. „Cosa intendi, nano?“ Ihr schwante, dass sie etwas entscheidendes übersehen hatte, und wie so oft, wenn sie angespannt war, wechselte sie unwillkürlich in ihre Heimatsprache. Da ich jedoch fließend Spanisch sprach, konnte ich zumindest erfassen, was sie ausdrücken wollte.

„Ach Leon“, seufzte ich, wobei sich mir ein tadelnder Tonfall in die Stimme mischte, ohne dass ich es beabsichtigt hatte. „Nicht immer ist das, was man sieht, das Problem. Hier ist ganz eindeutig das, was man nicht sieht, worum ich mir jetzt echt einen Haufen Sorgen mache.“ Zur Verdeutlichung zielte ich mit dem Zeigefinger auf leon und machte „pew“. Deren Augen weiteten sich. „Merda.“ Jetzt war auch ihr klargeworden, dass John sich auf einer Mission befand, bei der er nicht mehr damit rechnete, lebend zurückzukommen.

Äh“, machte sich Ator bemerkbar, der inzwischen den Brief überflogen hatte, „das les‘ ich jetzt einfach mal vor. Das erklärt nämlich so ziemlich alles. Hinsetzen und festhalten:

Shadowtalk Pfeil.png Hi,
wenn ihr das hier lest, bin ich offensichtlich nicht in der Lage gewesen, etwas substanzielles über den Verbleib meiner Schwester herauszufinden und mich dabei so flach zu halten, dass ich es bis zurück zu euch geschafft hätte. Für diesen Fall hab ich vorgesorgt. Die Datenchips sind für euch. Der eine enthält ein Dossier über eine Renraku-Angestellte mit dem Namen „Janet Brody“ – meine Schwester. Sie wird seit dem 24. März 2053 um 16:53 vermisst, als während eines ehrenamtlichen Einsatzes in einer Suppenküche der Universellen Bruderschaft die Einrichtung von unbekannten Kriminellen gestürmt, die Belegschaft entführt und unter den anwesenden Hilfsbedürftigen ein Massaker angerichtet wurde. Dieselben Kriminellen, die gestern leons Schieber verstümmelt haben. Der andere enthält alles, was ich über die Spidermen finden konnte. Es ist nicht viel, aber ich hoffe, ich kann euch damit den Frust ersparen, den man unweigerlich ansammelt, wenn man etwas wirklich finden will und niemand eine Ahnung zu haben scheint, wo das Gesuchte versteckt ist.
Ich weiß, ihr seid Runner und arbeitet für Geld. Im Koffer sind acht Credsticks. Gerecht aufteilen. Das gilt auch und gerade für den Herrn Alligatorschamanen. In deutlichen Worten: jeder bekommt exakt gleich viel Nuyen, klar?
Findet sie, oder findet ihre Mörder, oder findet heraus, was warum passiert ist.
Wir sehen uns auf der anderen Seite,
Shadowtalk Pfeil.png MaxJDBrody.

Ich musste es einfach wiederholen. „Fuck“.


Zwei Stunden später schaltete ich das Gerät aus, mit dem ich den Chip durchforstet hatte. Inzwischen war ich hundemüde. Es ging auf 0630 zu und für mich war der Abend echt lang gewesen. Dafür wusste ich jetzt bescheid. So weit man das sagen konnte.

Die Spidermen waren zahlenmäßig eine eher kleinere Gang – die Daten sagten etwas im Umfang von ca. 40 Personen – eine eher niedlich zu nennende Mitgliederzahl verglichen mit den großen Gangs oder den Triaden, Yaks oder Mafia-Splitter. Sie waren im ganzen Sprawl mit „Schuldentilgungsvorschlägen“ und „unterstützenden Motivationstrainingseinheiten“ aktiv und hatten damit ein erheblich größeres Einzugsgebiet als die normalen sehr lokal und auch territorial agierenden Straßenbanden. Interessanterweise schienen die Hood-Gangs entweder an der Wahrung ihrer Kiezgrenzen nicht besonders interessiert, oder die Spidermen schafften es immer wieder, durch die Netze der Aufpasser zu schlüpfen. Netze. Haha. Verstehste? Oh Mann, ich war wirklich müde.

Immerhin bestätige der Chip mir, daß der große Troll – Butcher – wirklich ein Geldeintreiber bei der Yakuza gewesen war. Er war es auch, der in den Audio- und Textdateien besonders oft auftauchte. John schien, so wie die Dateien verknüpft waren, ein Bewegungs- und Reichweitenprofil des Trolls erstellt zu haben, um etwas über dessen Aktionsradius herauszufinden. Man würde annehmen, dass er sich im Mittel aus seiner Zentrale in alle Richtungen gleich weit entfernen würde, um seiner „Beratungstätigkeit“ nachzugehen, allenfalls modifiziert durch die Geographie unserer schönen Heimatstadt sowie gewisser für Leute wie ihn weniger einfach zugänglicher AAA- und Villengebiete, in denen er wahrscheinlich nicht einmal ausatmen dürfte, ohne sofort von einem Aufruhrbekämpfungsteam der örtlichen Schläger-in-Uniform-Brigaden umstellt zu werden. Doch richtig signifikant waren die Bewegungen nicht. Es ließ sich allenfalls eine sehr leichte und nur mit viel gutem Willen unter Zuhilfenahme dreier zugekniffener Augen etwas bevorzugte Gegend seines Erscheinens ausmachen, die sich grob mit Hell’s Kitchen deckte, jener durch den Ausbruch des Mt. Rainier 2017 besonders schwer verwüsteten und von der Stadt aufgegebenen Ecke Puyallups, in der, wie es die Straße sagte, man nicht einmal unbemerkt furzen könne, weil man dabei die in der Luft umherfliegende Asche verwirbelt, was natürlich jeder sehen kann. Andererseits war es wiederum kein Wunder, dass Leute wie Butcher sich bevorzugt dort herumtrieben, wo staatliche Intervention nicht vorhanden war.

Ich war also im Bilde, und kaum hatte ich das erkannt, fiel mein Blickfeld langsam in sich zusammen, und ich schlief mit dem Gesicht auf der Tastatur ein.

Quellen[Bearbeiten]

Die geschilderten Geschehnisse beruhen auf den Erlebnissen der SC-Gruppe von Benutzer Goronagee. Neben den oben genannten Romanen und Abenteuern fanden folgende Sourcebooks Verwendung:

Liste der Sourcebooks:

Weblinks[Bearbeiten]